home | all engravings from:

HISTOIRE NATURELLE DES POISSONS

par Le Citoyen La Cepède

Plassan, Paris 1798

prefacepreface 2

collected by winfried kamps

sitemap

Lacepede
Bernard Germain Étienne Médard de La Ville-sur-Illon, comte de La Cépède
26. Dezember 1756 in Agen in Guyenne; † 6. Oktober 1825

Zum Geleit (German):

Manche Bücher sind zu wertvoll als dass Bibliotheken sie ausleihen würden. Sie stehen in klimatisierten Kellern. Die darf man höchstens vor Ort mal anschauen und dann noch sind bestimmte Vorsichtmaßnahmen daran gebunden, die Beschädigungen vorbeugen müssen, Beschädigungen, wie sie zum Beispiel schon durch normales Aufklappen entstehen können. Alte Bücher gehen oft schon durch bloßes Lesen kaputt. Man kann das mit älteren, aber noch nicht wirklich alten (Taschen)büchern vom Flohmarkt schon erleben: Durchlesen ist ruinieren. Der Rücken bricht, sie gehen aus dem Leim, denn der ist hart geworden. Dabei spreche ich noch nicht von Cola die darüber geschüttet wird oder von Fettflecken oder eingerissenen Seiten usw. Hiermit räumt die Digitalisierung auf. Gut so. Allerdings liest es sich am Schirm nicht gerade komfortabel, finde ich.

In einer Antwerpener Bücherei, die keine Bücher ausleiht sondern nur anschauen lässt, der Erbgutbibliothek Hendrik Conscience, habe ich mir ein paar Tage lang Lacepedes Naturgeschichte der Fische kommen lassen. Diese 5 Bände erschienen 1798–1803 als Fortsetzung von Buffons Naturenzyclopädie. Erstaunlich, dass jemand zu Zeiten der Französischen Revolution Zeit und Muße für solches Mönchswerk aufbringen konnte, statt als Adeliger ins Ausland zu fliehen. Vielleicht war es eine Flucht. Vier Fünftel des Textes bestehen aus Beschreibungen der Fische durch Worte. Der Rest sind allgemeine Überlegungen zur Natur der Fische. Dazu kommt eine ausgefeilte Systematik. Diese ist im wesentlichen Linne's System angelehnt, wie es heute noch gebraucht wird aber die Namen sind französich. Erweitert sind die Texte mit Fußnoten die eine verblüffende Sammlung von Synonymen und Namen, wie sie von anderen Autoren, Fischern und Laien in den verschiedensten Ländern gebraucht wurden enthalten. Ein fischiger Sprachschatz. Und dann sind da die Bilder, ganz vorzügliche Kupferstiche.

Ich war hingerissen von den Abbildungen. Die Fische sind die gleichen wie heute aber sie haben auf den monochromen Kupferstichen etwas, das heutige Fischabbildungen abgeht, so farbig und aus dem Leben fotografiert sie oft sind: Charakter. Die Illustratoren und Kupferstecher haben bei aller Ojektivität starke Bilder gemacht. Diese Fische sind mit Ausdruckskraft versehen. Sie gucken. Gemalt, vermutlich nach toten Exemplaren auf dem Zeichentisch, ercheinen sie wiederbelebt oder genauer: wiederbeseelt. Ich hab mir die beeindruckendsten herausfotografiert. Und weil ich schonmal dabei war, hab ich sie dann einfach ALLE aufgenommen und auch ihre nunmehr veralteten Namen notiert. Heute hat jeder Fisch einen lateinischen Vor- und Zunahmen. Linnes System war damals schon im Gespräch aber noch nicht die Norm. Ich hab die Französischen Bildunterschriften gewissenhaft mit Seitenangaben und den betreffenden Fotos als Internetmappe hier niedergelegt, weil ich dachte, dass vielleicht auch andere Leute Gefallen dran finden könnten. Über Copyright brauchte ich mir wegen des Alters keine Sorgen zu machen, sowas ist public domain, wie man das heute nennt. So sind diese Seiten entstanden.

Ein Ding habe ich erst später begriffen: Ich hätte mir die Mühe sparen können, denn alles ist bereits auf viel professionellere Manier gescannt online verfügbar. Alle Text- und Bildseiten aller 5 Bände, nebst den Blankos und den Buchdeckeln, digital durchsuchbar auf Wörter, also nicht nur tote Pixel. Jeder Band hat mehr als 500 Seiten, mal 5 macht 2500. Mindestens. Hier der Link zu den hochauflösenden PDF-files aller 5 Bände von Lacepedes Naturgeschichte der Fische. Man kann sie sich runterladen oder online durchblättern. Es sind jedoch riesenhafte Bestände, jeder Band hat etwa 600 Megabytes. Selbst mit einem kräftigen Computer und einer schnellen Internetverbindung dauert es eine ziemliche Weile bis man sich hindurchgeblättert hat. Und alle Abbildungen herauszusuchen erfordert dann wiederum noch mehr Geduld. Mein Acrobat Reader ging dabei wiederholt in die Knie. Meine Seiten geben also die rausgesammelten Rosinen zur schnellen Durchsicht.

Den französischen Text zu lesen, sind übrigens selbst französisch gut unterlegte Leute nicht leicht im Stande, denn die Sprache ist geschwollen und veraltet. Dazu kommt die Langeweile, die Bildbeschreibungen beim Lesen auslösen. Als kleines Beispiel gebe ich den Text zu einem der drei Fische, die Lacepede seiner geliebten sterbenden Frau gewidmet hat. Gewidmet will sagen er hat ihr im wissenschaftlichen Namen des jeweiligen Fisches ein, wie er dachte, ewiges Denkmal gesetzt, indem er den Fischen als Nachnamen den Vornamen seiner Frau gab. Sie hieß Anne-Caroline. Mugilomore Anne-Caroline, Méné Anne-Caroline und Cyprin Anne-Caroline weisen dem interessierten Leser möglicherweise einen persönlichen Einstieg in die Welt von Lacepede.

Der Text zu MÉNÉ ANNE-CAROLINE (jetzt: Mene maculata (Bloch & Schneider, 1801) der mittlere Fisch auf Seite458) in einer Amateurübersetzung von mir:

(Band 5, Seite 480:) >> Diese schöne Fischart verdient einen Platz in einem eigenen Gechlecht. Sie ist wiederum unter Naturforschern unbekannt. Ich habe mit viel Mühe ein Bild in einer Sammlung chinesischer Gemälde finden können, die über Holland nach Frankreich gelangt sind. Ich widme sie meiner Partnerin, die mir so lieb ist, und deren Tugenden und Elend sich von so großer Wichtigkeit erwiesen haben. (Darüber mehr im Artikel über Mugilomore anne-caroline) Méné anne-caroline schillert im sanften Silberglanz. Sein Oberkörper wirft die Reflexe heftig zurück, aufs Entzückendste erscheint das in den Bauchflossen, die in einem violetten Funken enden, die Flossen sind einen Ton heller. Die Brustflossen sind groß, wie um durch ihre Ausmaße die Effekte der extremen seitlichen Zusammengedrücktheit des Tieres beim Schwimmern zu kompensieren. (Siehe dazu in den 'Ausführungen über die Natur der Fische' unsere Gedanken über das Schwimmen dieser Tiere.) Die Rückenflosse ist dreieckig und weist ebenso wie die Afterflosse sehr viele Strahlen auf. Die Oberlippenknochen sind groß. Iris und Augapfel bilden einen silbernen Kreis um einen Saphier. (und weiter auf Seite 481:) Betrachtet man die Scheibe, die die Körperseiten des Fisches, den wir beschreiben, bildet , findet man eine Analogie mit dem Dreiviertelmond. Diese Analogie wollten wir andeuten durch den Geschlechtsnamen dieses Fisches, denn Mene steht im Griechischen für Mond. <<

Ich bereue es nicht, diese Bücher einmal selbst in Händen gehabt zu haben, ein Begegnung besonderer Art. Das Haptische eines Buches verschwindet in der digitalen Version aber hier lugt es ab und zu zum Rande herein.

winfried kamps, Antwerpen 2009